MICHAEL NEUDORFERS ROMAN NEWSLETTER
Lieber Herr Neudorfer!

Vor ein paar Wochen haben wir Ihnen an dieser Stelle das indische Märchen mit unserem Patenkind Shabnum in der Hauptrolle erzählt. Die Geschichte hat nun eine so bemerkenswerte Entwicklung erfahren, dass wir Ihnen die Fortsetzung nicht vorenthalten wollen.

Wie Sie sicherlich aus den Weltnachrichten wissen, hat sich die Corona-Situation in Indien dramatisch zugespitzt. In einem Land, in dem sich die Leichen stapeln und die gesamte Infrastruktur außer Kontrolle gerät, war und ist an eine Öffnung der Colleges nicht zu denken. Sehr zum Leidwesen von Shabnum, die es längst nicht mehr erwarten konnte, mit ihrer Ausbildung zu beginnen. Und wir haben uns schon Sorgen gemacht, weil sie schon lange nichts mehr von sich hören lassen hatte.

Völlig unbegründet, wie sich herausstellen sollte. In ihrer Ungeduld ließ Shabnum nichts unversucht, irgendwo ein College zu finden, das nicht geschlossen war. Und sie wurde fündig - In der pakistanischen Stadt Quetta, gar nicht allzu weit weg von ihrem Zuhause. Dorthin schickte sie ihre Zeugnisse und siehe da, sie wurde zu einer Online-Aufnahmsprüfung zugelassen. Die bestand sie (natürlich), und als nächster Schritt wartete die Zulassungsprüfung in Quetta. Ein Visum wurde besorgt, ein Zugticket wurde gekauft und los ging die Fahrt in Richtung College. Doch an der indisch-pakistanischen Grenze war sie auch schon wieder zu Ende. „Keine Einreise für indische Staatsbürger wegen der Corona-Situation“ hieß es.

Also fuhr Shabnum wieder heim. Die Zeit wurde knapp. Wenn sie nicht rechtzeitig in Quetta sein könne, werde ihr Platz an jemanden anderen vergeben, hieß es aus dem College. Direktflüge zwischen Indien und Pakistan gibt es derzeit nicht. Ein Umweg über Kabul bot sich an. Doch da hatte Shabnums Mutter etwas dagegen, denn Afghanistan sei zu unsicher für eine allein reisende junge Frau. Also reiste Shabnum schließlich mit dem Flugzeug von Isfahan nach Delhi, von Delhi nach Dubai, von Dubai nach Islamabad und von dort nach Quetta. Gerade noch rechtzeitig kam sie dort an, absolvierte die Prüfung – erfolgreich – und studiert nun in einem der besten Colleges von ganz Asien Medizin.  Die Tür zu ihrem Traumberuf steht plötzlich ganz weit offen. Nie werde ich vergessen wie glücklich und dankbar ihre Stimme klang, als sie mich via WhatsApp anrief, um mir diese Geschichte zu erzählen, die in dem Ausruf gipfelte: „I will be a doctor!“

Warum ich Ihnen das erzähle? Weil ich so eine Freude habe mit der Zielstrebigkeit und Beharrlichkeit dieser jungen Frau, die unter allen Umständen – auch den widrigsten - aus sich etwas machen will. Und weil mir ihre Einstellung, ihre Kraft einfach imponiert.

Imponiert haben mir auch die Romane, die ich heute für Sie ausgesucht habe. Alle fünf haben etwas gemeinsam: Sie haben ihren Lesern neben dem Lektürevergnügen einen Zusatznutzen zu bieten. Vielleicht erschließt sich der ja schon beim Lesen meiner Besprechungen…

In die digitalen Schaufenster haben wir diesmal zehn wirklich gute Jugendbücher gestellt und zehn spannungsgeladene Krimis.

In der Hoffnung, Ihren Geschmack getroffen und Ihre Neugier geweckt zu haben, grüßen Sie herzlich

Michael Neudorfer und sein Team
 
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UNSER AKTUELLES LIEBLINGSBUCH
 
Barney Norris | Die Jahre ohne uns

Kennen Sie das? Man klappt ein soeben zu Ende gelesenes Buch zu und merkt, wie einen plötzlich ein Glücksgefühl durchströmt. Mir ist es bei diesem Roman so ergangen. Es ist ein modernes Liebesmärchen, das uns hier erzählt wird: Zwei Sixtysomethings begegnen sich in einer Hotelbar. Sie ist eine einsame Frau, die sich damit abgefunden hat, dass ihr das Leben all ihre Träume nicht erfüllt hat. Er war früher Schauspieler, der sich in allerhand Belanglosigkeiten flüchtet, weil er mit einem großen Verlust nicht klarkommt. Hier an der Bar ist offenbar der richtige Ort und die richtige Zeit für beide, über all das zu reden, was ihnen auf dem Herzen liegt. Und wir dürfen ihnen zuhören, mit ihnen mitfühlen, uns mit ihnen einige der großen Fragen des Lebens stellen: Warum tun wir denen weh, die wir lieben? Wie gehen wir mit den falschen Entscheidungen um, die wir getroffen haben? Und was passiert, wenn wir die Geister der Vergangenheit wieder in unser Dasein lassen? Warum ist bloß die Zweisamkeit so schwierig?

So viel Schicksal, so viel Ungemach – und dann: was für ein Ende! Barney Norris erweist sich als feinfühliger, kenntnisreicher, fesselnder Erzähler mit scheinbar großer Lebenserfahrung. Kaum zu glauben, dass er erst Mitte 30 ist. Sein Buch ist jedenfalls ein hinreißender Seelentröster!
 
22,70
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WAS WIR IHNEN SONST NOCH EMPFEHLEN
 
Annalena McAfee | Blütenschatten

Wir bleiben in England, und auch in diesem Buch ist die Protagonistin gut 60 Jahre alt. Eve Laing ist Malerin, recht erfolgreich und anerkannt. Doch im Privatleben hat sie dieses Glück nicht. Ihre Ehe ist im Scheitern begriffen, die frisch gefasste Zuneigung zu einem viel jüngeren Mann scheint wenig aussichtslos. In dieser Lebenssituation begegnen wir ihr, lernen sie langsam kennen und kommen drauf, dass sie ein richtiges Miststück ist. Nein, ans Herz wächst sie einem nie, diese zynische Giftspritze, die nur ihr eigenes Wohlergehen im Blick zu haben scheint, aber doch auch ihre guten Seiten hat. Das hat ihre Schöpferin, die mit Ian McEwan verheiratete Annalena McAfee, auch nicht beabsichtigt. Sie will uns mit ihrem Roman einen Blick in die Londoner Kunstszene werfen lassen. Das gelingt ihr ebenso trefflich wie die Zeichnung ihrer Charaktere, die ganz plastisch aus dem Text auftauchen. Ein raffinierter Gesellschaftsroman mit einer Hauptfigur, die man nicht so schnell vergisst.
 
24,70
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Hans Pleschinski | Am Götterbaum

Eine Quizfrage für Sie: Wer war Paul Heyse? Nie gehört den Namen? Macht nix. Geht den meisten so. Wenn Sie aber wie aus der Pistole geschossen „Paul Heyse war der erste deutsche Literatur-Nobelpreisträger, ist aber mittlerweile völlig in Vergessenheit geraten“ geantwortet haben, dann – Hut ab – kennen Sie sich richtig gut aus in der Literaturgeschichte. In München, Heyses Heimatstadt, erinnert nur noch der Name einer Unterführung an den großen Sohn. Das muss sich ändern, aber rasch, beschließen eine Stadträtin, eine Bibliothekarin und eine Schriftstellerin in Hans Pleschinskis humorvoll-leichtfüßigem neuen Roman. Ihre Pläne führen die drei Frauen zu Heyses einstiger Villa. Auf dem Weg dorthin dürfen wir ihren spritzigen Gesprächen lauschen, ihren Kommentaren zur heutigen Zeit und ihren Ausflügen in die Vergangenheit. Wir lernen München näher kennen und vor allem den vergessenen Dichter und seine Welt.

Unterhaltsamer kann Weiterbildung nicht sein. Es ist Pleschinskis großer Verdienst, dass er große Künstler auf diese ersprießliche Art und Weise dem Vergessen entreißt, wie in „Ludwigshöhe“,  „Königsallee“ und „Villa Wiesenstein“. Die pure Lesefreude!
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Felix Kucher | Sie haben mich nicht gekriegt

Tina Modotti wächst in tiefster Armut in Norditalien auf. Bereits als Kind muss sie schon in der Weberei arbeiten, um ihre kleinen Geschwister und ihre Mutter zu ernähren. Ihr Vater wandert nach Amerika aus, um dort zu arbeiten und Geld an die Familie zu schicken, damit diese auch ausreisen kann.  Später ist Tina  in vielen Ländern der Erde unterwegs, um als kommunistische Revolutionärin zu rebellieren - in Mexiko und im spanischen Bürgerkrieg.

Marie Rosenberg lebt mit ihren Eltern im beschaulichen Fürth in Bayern. Sie möchte gerne Medizin studieren. Der Vater besitzt in Fürth eine Buchhandlung, die Marie später einmal übernehmen soll. Dagegen sträubt sich Marie lange Zeit. Dann gibt sie ihren Widerstand auf und hilft ihrem Vater in der Buchhandlung und führt diese später alleine. Dann kommen die Nationalsozialisten an die Macht, die jüdischen Geschäfte müssen schließen, die Juden dürfen nicht mehr arbeiten und werden verfolgt. Marie bleibt lange in Fürth, weil ihre Mutter nicht ins Ausland will. Sie flieht erst sehr spät nach Amerika.

Der Klagenfurter Felix Kucher verknüpft die Lebenswege der beiden so unterschiedlichen kämpferischen Frauen und schafft damit ein fesselndes Zeitpanorama der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Dieses Buch macht Mut!
 
26,00
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Ljuba Arnautovic | Junischnee

Der Titel des Romans hat nichts mit dem Klimawandel zu tun, sondern bezeichnet den Pappelflaum, den es im Juni von den Bäumen schneit. Und wer sich eine sommerlich leichte Geschichte erwartet, wird auch enttäuscht. Dieser schmale Band ist viel mehr als das: ein unschätzbar wertvolles Stück Erinnerungsliteratur. Ljuba Arnautovic erzählt die Lebensgeschichte ihres Vaters Karl und seines Bruders Slavko. Die Brüder, beide im Schutzbund aktiv, werden nach den Februarunruhen 1934 in Wien von ihrer Mutter nach Moskau geschickt, um sie vor den Nazis in Sicherheit zu bringen. Während sich Slavkos Spur bald verliert, landet Karl irgendwann als Volksfeind im Arbeitslager. Erst Jahrzehnte später kehrt er mit seiner Frau in seine Heimatstadt zurück. Mit vergleichsweise wenigen Worten beschreibt Karls Tochter dessen abenteuerliches Leben, rettet es so für die Erinnerung an eine unselige Zeit. „Junischnee“ steht in einer Reihe mit Monika Helfers „Bagage“ und „Vati“. Noch keine Geschenkidee für den Vatertag? Hier ist eine.
 
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UNSER BILDERBUCH DES MONATS
 
Stephen Michael King | Ein Hund namens Drei

Eine berührende Geschichte über das Anderssein vom vielfach ausgezeichneten Bilderbuchkünstler Stephen Michael King. Eins, zwei, drei ... jeder Tag ist voller Hopser und Hüpfer für Drei. Fröhlich geht er, wohin auch immer seine Nase und seine drei Beine ihn führen. Auf seinem Weg begegnen ihm viele neue Freunde - und eines Tages sogar eine eigene Familie! King erzählt voller Humor und Herzenswärme über einen heimatlosen, dreibeinigen Hund - die klare Botschaft dabei: Unterschiede feiern, Empathie üben und ein unvoreingenommener Umgang mit dem Thema Behinderung. Ein zauberhaftes Bilderbuch über das Glück, genau so zu sein, wie man ist!
 
15,40
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EIN BLICK IN UNSERE SCHAUFENSTER
 
Ins Schaufenster gestellt vom Neudorfer Team
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